Missa Solemnis at the Kölner Philharmonie

Kölnische Rundschau, by Matthias Corvin, 2 October 2012

Extreme Contrasts: Sir John Eliot Gardiner conducts Beethoven's "Missa solemnis" in Köln

Extract (translated from German)
Sir John Eliot Gardiner received a standing ovation in the Cologne Philharmonic Hall in his usual, relaxed manner. His Monteverdi Choir earned an extra cheer for their major part in Beethoven’s “Missa solemnis”. The forty singers did not appear to be limited in any way; even with a fast tempo, they hit every note. From the sopranos, completely at home in the high ranges, to the basses, the sound was well-balanced, smooth, and transparent.

Concertmaster Peter Hanson was an excellent soloist in the “Benedictus”. His clear and elegant tone made it clear that this section can be successful without exaggerated Romanticism. In contrast, Gardiner gave the military music in “Agnus Deo” an authentic essence of a battlefield in the Revolutionary War. The solo voices of Lucy Crowe (Soprano), Jennifer Johnston (Mezzo), James Gilchrist (Tenor) and Matthew Rose (Bass) were pleasing. Gardiner’s interpretations are always the embodiment of teamwork; because of this, the soloists connected well with the overall picture.

Original Text:

Extreme Kontraste

Sir John Eliot Gardiner dirigiert Beethovens “Missa solemnis” in der Kölner Philharmonie

KÖLN. Stehende Ovationen für einen Grandseigneur der „historisch informierten“Aufführung. Gewohnt entspannt trotzte der Brite John Eliot Gardiner dem Beifall in der Philharmonie. Begeisterung erntete besonders sein Monteverdi Choir, der den Löwenanteil in Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ bewältigt hatte. Den 40 Sängerinnen und Sängern sind keine Grenzen gesetzt, selbst im aberwitzigen Tempo treffen sie noch jeden Ton. Vom höhensicheren Sopran bis zum Bass ist der Klang ausgewogen, schlank, transparent.

Bekanntlich nahm Beethoven keine Rücksicht auf die Vokalisten, komponierte bewusst instrumental. Die großen Schlussfugen im „Gloria“ und „Credo“ führen das eindrucksvoll vor Ohren. Dabei inspirierte Gardiner den Chor immer wieder zu stillen Momenten. Das „Et incarnatus est“ war etwa so ein Augenblick. Wichtig in dieser Chorsinfonie ist jedoch auch das Orchester. Eingeschworen auf den authentischen Klang des frühen 19. Jahrhunderts zeigte sich Gardiners Orchestre Révolutionaire et Romantique. Vorbildlich sauber die Blechbläser – bei Originalklangensembles nicht selbstverständlich.

Außergewöhnlich wie immer die Aufstellung: Drei Posaunen sind einzeln vor dem Chor platziert, rechts befinden sich Holzbläser und Hörner, links Trompeten und Pauken. Stereo pur.

Gardiners Dirigat ist mit 75 Minuten nicht flott, sondern enorm exakt. Es erklärt sich ganz aus der Partitur heraus. Jeder Akzent wird ernst genommen, bisweilen fast übergenau. Gardiner setzt auf externe Kontraste: Rasche Abschnitte sind feurig aufgeraut, ruhige Passagen rund und textdeutlich gestaltet.

Konzertmeister Peter Hanson war ein exzellenter Solist im „Benedictus“. Sein klarer und vornehmer Geigen-Ton verdeutlichte, dass diese Stelle auch ohne übertriebene romantische Emphase auskommt. Hingegen gab Gardiner der Militärmusik im „Agnus Dio“ den authentischen Geruch eines Schlachtfeldes der Revolutionskriege. Als Solo-Stimmen gefielen Lucy Crowe (Sopran), Jennifer Johnston (Mezzo), James Gilchrist (Tenor) und Matthew Rose (Bass). Sie fügten sich gut ins Gesamtbild, denn Gardiners Interpretationen sind immer Teamwork.